Erzählung: 'Glück'

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Glück
Finde das Glück, finde, finde es!
Geschrei um mich herum, lautes Wehklagen. Überall, um mich herum. Die Stimmen, sie rufen nach dem Glück, bitten es zu sich, wollen es gewaltsam nehmen, doch es entwischt, denn es ist frei. Es kommt, es wird nicht gefangen.
Glück, Glück, schreien sie, Glück, Glück, komme doch, komme doch zu uns, wir wollen dir nicht wehtun, wir wollen dich nur besitzen.
Aber, antwortet das Glück, warum ruft ihr nach mir? Ich bin in den Herzen, die nicht danach suchen, sondern das Leben annehmen, es annehmen, wie es ist.
Aber wir können nicht leben, wir können nicht ohne dich leben.
Doch bin ich nicht schon vorhanden, lebe ich nicht schon in euch? Nehmt mich an, nehmt mich an, nur so werdet ihr glücklich, sucht nicht, die Suche wird vergebens sein. Immer bin ich neben euch, warte, dass ihr mich bemerkt.
Die Stimmen schniefen, heulen: Wir sehen dich nicht, nie sehen wir dich. Du bist nicht neben uns, du bist nirgendwo.
Sucht nicht nach mir, sucht nicht, sucht niemals nach dem Glück.
Wir verstehen es, aber wir können dich nicht sehen, wir sehen dich nicht, oh, Glück, oh, liebes, liebes Glück.
Das Glück schüttelt den Kopf. Ihr versteht nicht, versteht nie. Ich bin neben euch, hört ihr, neben euch. Immer. Für alle Ewigkeit.

Ich gehe durch die Straßen. Ein kaltes Gesicht sieht mich an. Oh, schaurig ist's, schaurig ist's, zu sehen, in welchem Unglück dieser Mensch lebt. Ich wende das Gesicht ab, denke an die Stimmen, denke an das Glück. Die Stimmen sehen es nicht, ich sehe es nicht. Aber, oh, was ist denn dies? Ein Kind lacht, strahlt, grinst, singt von dem Glück. Ja, glücklich sieht es aus, dieses Kind, glücklich...
Wären es die Stimmen doch auch.
Und das Glück raunt mir lächelnd zu, ich bin bei dir, neben dir, für immer, in alle Ewigkeit.

Ich schüttele den Kopf, die Stimmen in meinem Kopf verstummen. Hoffnung.
Hoffnung ist beinahe das Glück.
Vorsichtig lächele ich.

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