Weltenteil

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Weltenteil
Es ist kühl draußen, beinahe frostig. Das wilde Grün, dieses zarte, leichte Grün scheint sich überall zu befinden, Kälte strahlt es nicht aus, nur Freude, Freiheit. Und Lust, fremde Welten zu erkunden. Ganz vorsichtig bewegen sich die Menschen auf diesen satten Wiesen der Göttlichkeit. Regen fällt, leicht und doch so ausdrucksstark. Hagel, hart prallt er auf die Erde, grummelt. Doch die Sonne, so leicht, schwebt über allem, zart leuchtet sie, bescheint das Grün, macht es so dezent. Heiter schließen sich die Wolken zusammen, raunen, plötzlich ist die Sonne weg, verschwindet für einstweilen, lässt der Bedrohung Platz, damit diese sich entfalten, ihr Glück hinausschreien, alle Kräfte bündeln und sie auf die Erde niederschicken kann. Das Meer, wild, unbezähmt, unberechenbar, schlägt mit Riesenhänden nach den Felsen, den zerklüfteten, gräbt sich in die Höhlen, reißt ihnen die Zuversicht auf Ruhe aus dem Stein. Der Stein, nass und glitschig, wehrt sich durch seine Hartnäckigkeit. Doch das Meer will sich nicht ergeben, so peitscht es weiter auf die Berge aus Mineralien ein, dass diese glatt geschliffen werden, sich vor dieser enormen Kraft beugen müssen. Trotz allem ist da diese übermächtige Freude, sie wird hinausgebrüllt. Wir sind das Leben, schreit das Grün, schreien die gewaltigen Wellen, das kalte Gestein. Die Blumen, so unscheinbar sie auch sind, bringen Farbe in diese Trostlosigkeit, diese leise Trostlosigkeit, die nach Liebe schreit. Die Wolken, zusammengeballt, zusammengepresst, sie drücken all die Tropfen aus sich, mit Gewalt, sie wollen ihre Last verlieren, wollen frei sein, wollen höher und höher, wollen bis zum höchsten Punkte steigen. Ganz freundlich segnen sie die Erde, die sich in Schlamm verwandelt und deren Spaß durch übermütige Pfützen ausgedrückt wird. Das innere Feuer dieses Lebens, es strahlt über allem, tränkt die Wesen, die durch die Gegend umherstreifen, Schutz vor dieser angsteinflößenden und faszinierenden Kraft suchen. Plötzlich scheint nichts mehr düster, sondern voller Kunst, voller Ausdruckskraft, voller Poesie. Es ist nichts auf der Welt so schön, so schön wie dieser Tag, an dem das Ende der Welt nahe scheint. Fürchterlich und sehnsüchtig streicht die Sonne über das Land, weich und fein gleitet sie über die Bäume, die sich neigen, die sich vor dem Himmel neigen, vor dieser Stärke der Natur verbeugen. Seltsame, dunkle Schatten lösen sich auf, getroffen vom Licht, getroffen von all dieser Pracht. Helle geistert umher, verliebt sich in das Grün, verliebt sich in das wilde, blaue Wasser, das sich immer noch gegen die Felsen drückt. Alle Wege, sind sie unerkennbar, voller Nässe. Und da bricht alles auf, kündet von erfülltem Glück. Alles durfte leben, für einen kurzen Moment, alles fand seinen Platz, kämpfte für die Existenz auf dieser Erde. Ein Teil, so klein und doch bedeutend, so ungeliebt. Das Leben, die Wesen, streifen wieder umher, der Sturm hat sich gelegt, nun muss das Licht wieder regieren, muss es dem Lebenswillen der Zerstörung ein Ende setzen, muss sich wehren. Sachte und vorsichtig bahnt sich das Glück durch all diese vergangene Bedrohung, nun pulsiert alles, kündet von frischem Leben. Die Kühle weicht langsam, der Tag neigt sich dem Ende, die Nacht scheint näher, doch ist da die Sonne, die, glutrot, untergeht und von dieser Geschichte, von diesem Moment erzählt, an dem die gewaltige Natur sich aus ihren Fesseln befreite, an dem endlich wieder die Grausamkeit, die Dunkelheit eines stürmischen Tages all ihr eigenes Glück herausposaunen, sich Gehör verschaffen durfte.
Ist nicht auch der schlechteste Tag ein Weltenteil?

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