Rezension - Das späte Geständnis des Tristan Sadler / John Boyne

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DAS SPÄTE GESTÄNDNIS DES TRISTAN SADLER
BOYNE, John

Buchzusammenfassung 

Tristan Sadler reist nach Norwich, um der Schwester seines toten Freundes Will zu begegnen und um ihr die Briefe, die sie ihm während des Ersten Weltkrieges schrieb, zurückzugeben.
Tristan und Will waren Freunde. Gemeinsam kämpften sie im 1. Weltkrieg, bis Will eine Entscheidung traf, die mit schlimmen Folgen aufwartete. 
Nun ist Tristan dazu gezwungen, seine Schuldigkeit zu erkennen und sie an Marian zu beichten. Doch überwinden kann er sich nicht...

Umschlag des Buches

Ich finde den Umschlag wirklich fantastisch. Künstliches wird hier vergebens gesucht, noch findet man hier eine kalte Seriösität. Der Buchumschlag ist neutral, drängt nicht auf und ist doch ansprechend. Die Einfachheit passt zu der Atmosphäre im Buch, obschon die Themen keinesfalls einfach sind. 
Ich finde, dass die Farben in ihrer Gesamtheit an den Krieg und an seinen Schmutz denken lassen. Nur das Weiß des Titels sticht heraus, strahlt in seiner Reinheit. So ist es auch eins der Dinge, die auf den ersten Blick auffallen. 

 Der Schreibstil 

Ein schöner Schreibstil, der mit seiner Einfachheit besticht. Hin und wieder wird jedoch alles auf den Kopf gestellt, und pulsierende Kraft liegt in den Sätzen, die plötzlich durch Kommata getrennt sind und so viele verschiedene Aussagen in sich tragen, dass der Leser manchmal den Faden verliert, aber gerade diese Art fand ich sehr bezaubernd. Diese Sätze waren mir die liebsten, da sie dann voller Stärke waren und auch meistens, je nach Situation, viele Gefühle entfalteten. 


Der Inhalt


Das Buch hat mehrere Zeitwechsel, wird aber immer nur aus der Sicht einer Person erzählt. Man verfolgt Sadlers Geschichte seit dem Moment, in dem er in Aldershot ankommt, bis zu seinem letzten Lebenstag. Da er etwas verbirgt, vor jedem, wird dem Leser auch erst im späteren Verlauf des Romans alles klar. Der Leser wird zu eigenen Überlegungen angeregt, was mir sehr gut gefallen hat.

Das Buch greift viele Themen auf: Schuld und Homosexualität, Rache, sowie Leid im Ersten Weltkrieg.
Die Geschichte ist sehr komplex, alles fügt sich ineinander, ohne dass ein Gedanke (damit meine ich die Themen, mit denen John Boyne sich auseinandersetzt) überwiegt und die unbedingte Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zieht.
So werden viele Gedanken durchgenommen, und man überlegt und philosophiert mit. Obwohl so vieles angesprochen wird, bleiben die Themen nicht nur oberflächlich, sondern werden aufgegriffen und mächtig durchwühlt.

Durch die Kriegspassagen wird dem Leser auch deutlich, welchem Schrecken und welchem Leid all diese Menschen ausgesetzt waren. 

Man sollte keine haarsträubende, unterhaltende oder schockierende Geschichte über den Krieg erwarten, denn das beabsichtigt das Buch nicht. Es möchte ernst genommen werden.
Es zeigt all diese Grausamkeit, diese Gefährlichkeit eines Weltkrieges nur durch manches Verhalten, das sich verändert, durch all diese Momente, in denen der Mensch zu Unmöglichem gezwungen wird. Diese Passagen sind sehr interessant, möchten aber nicht durch Skrupellosigkeit auffallen, sondern weisen den Leser auf die Schrecken einer Schlacht hin. Hier wird Gewalt, die damals tagtäglich vorkam, schon zur Gewohnheit, dass es die Hauptperson nicht einmal mehr berührt, wenn sie wieder von Toten hört.
Hier ist das Phänomen Krieg nicht bloß der Ort oder die Zeit, an dem sich die Geschichte hauptsächlich ereignet, sondern ein fester Bestandteil, von dem - das ganze Buch durch - geredet wird.  

Die Charaktere


Die Charaktere sind sehr vielschichtig und interessant. So hat die Hauptperson, Sadler, nicht nur gute Eigenschaften, sondern besitzt auch recht viele negative, ist somit beinahe schon ein Antiheld. Obwohl diese Person so menschlich ist, glaubt man ihr, glaubt man den Gedankenströmen, hat man sie gerne und findet sie nicht unsympathisch. 

Während Tristan mir sehr gefiel, stieß mich Will ab. Am Anfang mochte ich ihn sehr, doch zum Ende hin widerte er mich an, widerte mich seine Überlegenheit an. Obschon er klug war und viele Ideale hatte, die mich ebenfalls ansprachen, kam ich mit ihm nicht mehr klar. Erst zum Ende hin versteht man seine Beweggründe, dennoch fand ich sie nicht einleuchtend genug, als dass ich mich hätte mit ihm versöhnen können. 
Seine Schwester, Marian, hat ebenfalls einen starken Charakter und wies viele Seiten auf, die mir gefielen, dennoch stieß sie mich oft durch ihre unhöflichen oder brüsken Handlungen vor den Kopf. 
Wie ich bereits erwähnte, sind die Personen sehr vielschichtig, und Menschen, die gerne das Verhalten von anderen beobachten, werden sicherlich ihren Spaß haben. 

(Anbei bemerkt: Rigby und Potter waren meine 'Lieblingsnebenfiguren'. Ich mochte sie beide, da sie ebenfalls nicht perfekt waren, aber zu denen man ebenfalls irgendeine Art von Bindung aufbauen konnte.)     


Das Ende


  Das Ende klingt angenehm aus. (Traurig war ich, als ich das Buch zuklappte. Denn es war wirklich eine schöne Reise zum Vergangenen. Es ist lange her, dass ich ein so gutes Buch gelesen habe, das mich vollkommen überzeugt hat, so will ich es euch ans Herz legen.)

Das Ende könnte als dramatisch bezeichnet werden, aber persönlich finde ich es eher ruhig und gut, wie es endet. Man erfährt noch etwas über Salders Weiterleben, wie es nach dem Treffen mit Marian verlief. Und wenn man genau aufpasst, bemerkt man, dass Tristan sich kaum verändert hat. 

Fazit

Ein schönes, nachdenklich machendes Buch, das in Erinnerung bleibt. Es bringt schöne Lesestunden, aber ist anspruchsvoll.


5/5

Titel: Das späte Geständnis des Tristan Sadler

Autor(in): John Boyne
Verlag: ARCHE                                                                     Preis: 19.95Euro

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