Erzählung: Die Herrlichkeit in der Umarmung des Unglücks

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 Die Herrlichkeit in der Umarmung des Unglücks
Sie saß am See, las. Sie las ihre verlorene Geschichte. Sie sprach mit lauter Stimme zu sich, lachte, denn sie war so fröhlich über das Glück, das vor ihr stand, sie zu sich bat, ganz sachte, zart wisperte, es habe sie beobachtet, es wolle nur sie, sie. Sie warf ihre Geschichte fort, berührte die Hände des Glücks, die sich zu ihr hingestreckt hatten, die Sehnsucht erweckten, schreckliche Sehnsucht. Das Glück war warm, war herzlich, so liebenswürdig, dass sie aufstand, sich ihm ergab. Da spritzte der See, türmte sich auf. Aus dem Wasser entstand der tobenden Natur ein Mann, ebenso anziehend wie das Glück. Sie stand dort, eine Hand in der des Glücks, die andere nach der Traurigkeit greifend, die sie ebenfalls in eine warme Umarmung ziehen konnte. Denn war das Unglück so viel vollkommener, so viel machtvoller als das Glück, währte immer, gärte ewig. Es zerstörte, das Unglück, doch konnte auch beleben. Sie wusste es, die Traurige, wusste, dass dieser Mann, der die Melancholie war, sie Schmerzen ertragen ließ, doch sie auch vor dem hinterhältigen Glück beschützte, das sie überfallen konnte, das ihr dann das Herz aus der Brust reißen und so nun neuen Kummer in ihr säen konnte. Sie lächelte, wandte sich an den nackten Mann, der aus dem Wasser der Tränen gestiegen war, der all vollständige Herrlichkeit, Fröhlichkeit in der dunklen Umarmung des Unglücks bedeutete.

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