Rezension: Des Teufels General/Carl Zuckmayer

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DES TEUFELS GENERAL
ZUCKMAYER, Carl

Hierbei handelt es sich um ein bekanntes Theaterstück.

Theaterstückzusammenfassung

Harras, ein General der Luftwaffe, leidenschaftlicher Flieger, hält nicht viel von Hitler, von dem Regime. Da er jedoch ein Liebhaber der Fliegerei, dies alles für ihn ist und der Zweite Weltkrieg ihm die Möglichkeit gibt, ebendiese Tätigkeit auszuführen, ist er zum General Hitlers aufgestiegen. Diesen Rang benutzt er jedoch nicht, um andere zu schikanieren, benutzt nicht die rücksichtslosen Methoden der Nazis, sieht diese als unmenschlich. Er gibt öffentlich seine Meinung kund, und nun interessiert sich die Diktatur für ihn...


Umschlag des Theaterstücks/Buches

Ein schlichter, dennoch durch das Rot auffallender Umschlag, der eben das Alter dieses Stückes, seinen Stand als Klassiker markiert.

Der Schreibstil

Da das Drama schon recht alt ist (1946), unterscheidet sich die Sprechweise sehr von der heutigen. Dadurch fallen veränderte Satzaufbauten auf, fallen all die ungewohnten (fehlenden) Satzteile auf. Dies tut dem Stück jedoch keinen Abbruch, sondern macht es umso schöner. Carl Zuckmayers Schreibstil ist einzigartig, unterscheidet sich in vielen Dingen von anderen. Keine allzu große Poesie wird gebraucht, nur Sätze, die durch an verschiedene Personen gegebene Akzente verblüfft, durch die etwas ältere Sprache betört.

Der Inhalt

Dies ist ein Theaterstück, somit besteht es bloß aus einem Dialog und manchen Regieanweisungen, die besonders die Umgebung beschreiben. Man trifft nicht auf eine Geschichte voller Spannung, sondern auf ein Drama, welches auch seine längeren Stellen besitzt. Und doch ist stets Neugier, wie es denn nun weitergeht, vorhanden, liest man wissbegierig. Obschon das Drama bloß 3 Akte besitzt, alles nur ein einziger Dialog ist, geschieht vieles, wird dem Leser nicht langweilig.

Viele Fragen durchziehen unterschwellig das Werk, viel Nachdenklichkeit. Man ist animiert, selbst nach Antworten zu suchen, selbst auf des Rätsels Lösung zu kommen. Jedoch verstreut Zuckmayer unterbewusst all seine eigenen Ideen, all seine eigenen Gedanken, die er gekonnt dem Leser zuführt. So ist dies kein lehrhaftes Stück und doch, auf seine eigene Art, schon. Die philosophischen Überlegungen sind weder nervtötend noch dumm, sondern interessant dargestellt.

Jedoch gab es Momente, bei denen ich ein paar Seiten zurückblättern, mir das alles noch einmal durchlesen musste, um auch wirklich zu verstehen, worum es ging. Dies liegt nicht ganz an der Schwierigkeit der Sprache, sondern auch an den Andeutungen, die gemacht, aber nicht immer aufgelöst werden. Aufmerksam, wachsam muss man bleiben, wird nicht wie bei Brecht durch Verfremdungseffekte hart aufgerüttelt (hier klingt ein wenig Verbitterung hervor, denn sein Werk 'Der gute Mensch von Sezuan' gefiel mir nicht sehr gut).

Das Stück, obwohl mit sehr viel Ernst und Bedrücktheit ausgestattet, besitzt auch wirklich komische, lustige Stellen. Der Witz brachte mich öfters zum Lachen. Verliert das Werk nicht unbedingt seine Schwere, kann dennoch auch aufheitern und entspannend sein.

Die Charaktere

Harras ist ein sehr wirklicher Charakter, der ebenso in der Realität besteht, in manch Anderem existiert. Da Ernst Udet ein Vorbild für Harras' Figur bildete, finden sich hier manche Parallelen zwischen den Personen.
Harras, obschon er für die Diktatur arbeitet, bleibt einem durchwegs sympathisch, u.A. weil er nicht unbedingt viel von dieser hält. Nicht immer tut Harras das Richtige, besitzt Schuld und Laster, kann aber mit seinem Mut, seine Meinung offen zu sagen, bestechen, überzeugt durch ein eigenes Wesen.
Genau wie er sind all die anderen 'Nebendarsteller' dieses Dramas sehr glaubwürdig, sehr abwechslungsreich. Sie ähneln Menschen, weisen verschiedene Charakterzüge auf, könnte es sie so geben.
Hier möchte ich einen Satz zitieren, den ich in dem Leseverständnis zu diesem Stück (von meiner Deutschlehrerin aufgegeben) benutzt habe:
Das Zusammenspiel, ihre Taten ergeben eine komplexe Handlung, eine vielseitige, die Welt in ihrer Größe, mit ihren Menschen.

Die wichtigste Frage der Welt

> Was kann denn der einzelne tun, Anne - in einer Welt, die ihm den Donner ihres fürchterlichen Ablaufs - und seines eignen rettungslosen Mitgerissenseins - mit jedem Herzschlag in die Ohren dröhnt? Wer bin ich denn - daß ich es ändern sollte? <

Seite 144-145;
'Des Teufels General', Carl Zuckmayer
Fischer Verlag

Hier  der Link zur Verlagsseite. 

Das Ende

Das Stück endet erfüllt, endet mit einer Botschaft, endet mit Dramatik, Traurigkeit, zeigt, dass dies der einzige Weg ist.
Es ist wunderschön, jedoch brutal. 

Fazit

Ein wunderbares Theaterstück, von dessen Aufführung ich mir sehr viel erwarte. Geschrieben ist dies perfekt, besticht durch den eigenen Schreibstil, die alte Sprache, den Aufbau, die Handlungen. Guten Gewissens vergebe ich

5/5 

Titel: Des Teufels General                                              
Autor(in): Zuckmayer, Carl
Verlag: Fischer                                                      Preis: circa7Euro 

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