Rezension: Du liebst mich nicht/Ravel, Edeet

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DU LIEBST MICH NICHT
RAVEL, Edeet

Buchzusammenfassung

Chloe wird in Griechenland entführt. In ihrer Einsamkeit und Angst beginnt sie, sich in ihren Entführer zu verlieben.
In Amerika, bei ihr zu Hause, kämpfen ihre Mutter und ihre beste Freundin Angie um ihre Freilassung. Doch Chloe ist zwischen zwei Dingen zerrissen: Einerseits möchte sie bei ihrem Entführer bleiben, andererseits vermisst sie ihre Liebsten, ihr Heim, ihren Hund... Und gleichzeitig stellt sich Chloe die Frage, ob ihre Liebe zum Geiselnehmer nur aus der Not geboren ist oder ob sie tiefgründiger geht...


Der Umschlag des Buches

Das Cover hat absolut keinen Zusammenhang mit dem Inhalt des Romans: Ein nasses Mädchengesicht. (Nicht tränennass. Nass? Wieso nass?) Natürlich, es ist hübsch, das Mädchengesicht, lädt zum Kauf ein, aber mit dem Inhalt hat es absolut nichts zu tun.

Beim Titel jedoch kann man mit einiger Anstrengung wohl eine Verbindung herstellen. Den zu finden, überlasse ich jedoch euch...

Der Schreibstil

Er ist leicht zu lesen. Obwohl er gewöhnlich scheint, durchschnittlich, hat er auch eine eigene Art. Dies fällt besonders durch die Gespräche zwischen Chloe und ihrem Entführer auf: So sind die Sätze sprunghaft, so ist es kein Dialog, der sich flüssig folgt, sondern die Sätze springen, sind nicht abgehakt, aber durch dies Springen bekommt man den Eindruck von Abgehacktheit... 

Hier ein kleines Beispiel:

'Ich brauche eine Dusche', sagte ich.
'Ich mach den Boiler an', antwortete er.

Seite 121, Zeile 12-13.

oder:

'Ich bin total verschwitzt', sagte ich.
'Ich wechsle die Laken, während du unter der Dusche bist.'
'Wie lange habe ich geschlafen?'
'Fast vierzehn Stunden.'

Seite 121, Zeile  16-19.

Der Inhalt

Obwohl die Geschichte sich in aller Einsamkeit abspielt, dem Leser keine große Ablenkung gegeben wird, die Tage durch den immergleichen Rythmus geprägt sind, findet man doch Unterhaltung, bleibt man nicht in Langeweile zurück, sondern mit ausgewogener Spannung, die durch das Verhalten, das Reden der Figuren hergestellt wird.

Der Roman ist schlüssig aufgebaut, in chronologischer Folge wird von dem Geschehen erzählt. So findet man sich schnell zurecht, hat keine Schwierigkeiten einzutauchen.

Während Chloe völlig isoliert wird, erfährt der Leser durch Interviews, durch Zeitungsartikel usw. von dem draußen tobenden Kampf um Chloes Freilassung. Diese Stellen sind manchmal ganz interessant, doch wenn es um die Blogeinträge (es wurde eine eigene Seite um Chloes Verschwinden kreiert) konnte mich die Neugier dann doch nicht packen, sondern musste ich mich durch die Seiten quälen. 

Vor allem fand ich die psychische Frage, ob Chloes Liebe zum Entführer nicht nur Trug ist, sondern wahr, sehr interessant und nachdenklich. Hier bekommt der Leser, der sich höchstwahrscheinlich auf eine Art romantischer Lektüre bereit gemacht hat, eine schwierige Frage gestellt. Ist Chloe wirklich verliebt, ist dies bloß ein Abwehrmechanismus, ein Verlangen, ein Klammern an Zugehörigkeit, Zuneigung, da es sonst keine Person mehr gibt, bei der sie diese Gefühle ausleben kann? Dadurch wird die einfach erwartete Geschichte komplizierter und anstrengender, was dem Buch keinen Abbruch tut, sondern einen Pluspunkt bringt.

Die Charaktere

Obwohl Chloe sich als nicht weinerlich zu Anfang des Buches beschreibt, fand ich doch, dass sie sehr oft und zu viel verzweifelt. Natürlich, man muss bedenken, dass sie entführt wurde, jedoch stellt sie sich an manchen Stellen wirklich an, obwohl sie weiß, dass der Geiselnehmer ihr nichts antun wird. Sie klagt, klagt. Und der Geiselnehmer ist natürlich der einzige Mensch, der diese Klagen zu hören bekommt. Es hat mich gewundert, dass dieser ihr jeden Wunsch ohne Widerworte erfüllt, ohne irgendwann zu sagen, dass ihr Gejammer reicht.
Dies machte mir Chloes Person ein wenig unsympathisch.
Während Chloes Gefangenschaft und Isoliertheit scheint es, dass sie umso wirrer, umso verrückter wird. An manchen Stellen kommt der Wahnsinn aus ihr, was bei ihrer Situation sehr verständlich ist, doch hilft dieser Wahnsinn nicht, Klarheit in der Frage 'Liebt sie oder nicht?' zu schaffen. So kam ich eher zu dem Schluss, dass ihre 'Liebe' aus dem Wahnsinn geboren wurde.

Der Geiselnehmer, dessen Namen während des ganzen Romans unbekannt bleibt, ist ein Mann mit zahlreichen seelischen Verletzungen, so viel kann ich wohl verraten, da es bereits am Anfang des Romanes klar wird. 
Er kann die Zuneigung des Lesers nach und nach gewinnen. Scheint er doch immer nett, zuvorkommend, ruhig und nicht aggressiv, sodass Chloes Angst unbegründet zu sein scheint.
Man weiß bis zum Ende nicht, ob seine Zuneigung zu Chloe gespielt ist oder der Wirklichkeit angehört.

Chloes Mutter und Angie besitzen ihre eigenen Charakterzüge, sodass der Leser auch dort eine Erfrischung an verschiedenen Eigenschaften erfährt. Chloes Mutter gefiel mir nicht sehr, besonders da sie sehr naiv ist, und Angie konnte mich auch nicht umhauen (das hing mit all den Ausrufezeichen, die sie während ihrer Kampagne in den Blogeinträgen benutzt, zusammen. Und da ich sowieso eine Abneigung zu Ausrufezeichen hege, ist ihr Auftreten nicht unbedingt förderlich). Angie konnte mich einfach nicht umhauen, 1. da ich fand, dass sie in ihren Blogeinträgen viel zu oft auf sich zu sprechen kommt (wie sehr sie Chloe vermisse etc.) , anstatt auf Chloe einzugehen, die schließlich entführt wurde, 2. sind es vor allem die Ausrufezeichen schuld, die diese 'Sensationslust' irgendwie verstärkten.

Der Absatz, in dem gelogen oder die Wahrheit gesprochen wird oder Der Absatz, in dem der Wahnsinn hervorbricht:

> Verlegen wandte ich mich von ihm ab. Ich wusste weder, warum ich es gesagt hatte, noch, ob ich es bereute. Ich wusste nur, dass es die reine Wahrheit war. Ich liebte ihn. <

Zeile 13-15, Seite 160;
'Du liebst mich nicht' Edeet Ravel;
cbt

Hier der Link zur Verlagsseite.

Das Ende

ist unausweichlich, ist genau, wie der Leser es sich vorstellt. *Kleiner Spoiler* Die Trennung scheint schon seit Anfang des Buches 'vorprogrammiert', unabänderlich. *Spoiler Ende*
Doch gibt es noch ein anderes Ende: Und dieses ist brutal, ist offen und sehr erdrückend. Dies ist ein Ende, welches der Leser fürchtet: Es macht neugierig, wie es weitergeht, ist brutal, denn der Leser kann sich weitere Wege vorstellen, doch möchte ein abschließendes Ende (welches nie existieren wird).

Fazit

Der Roman gefiel mir ganz gut, hatte eine nachdenkliche Seite, konnte mir aber durch die Hauptperson nicht recht zusagen. Der Schreibstil war nicht meine Art, die Idee an sich war interessant und abwechslungsreich.

4/5

Titel: Du liebst mich nicht
Autor(in): Ravel, Edeet
Verlag: cbt (Random House)                             Preis: (Taschenbuch) circa 9Euro

Kommentare :

  1. Die Figur der Chloe kam doch sehr realistisch rüber und junge Mädchen können sich leicht mit ihr identifizieren. Ein schöner, aber trauriger Roman.

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    1. Ja, Chloes Figur ist sehr realistisch, doch für meinen Geschmack bleibt da einfach zu viel Jammern, zu viel Angst, die leicht unbegründet ist.
      Dass Chloe weinerlicher ist, ist angesichts ihrer verzweifelten, prekären Lage sehr natürlich, doch gibt es trotz allem ein Quäntchen an Verstand, den sie zu behalten hat, sieht sie doch, dass der Entführer ihr nichts tun werde. Hat er ihr seine einleuchtenden Gründe erklärt.

      Doch vielleicht hat Chloe einen schwächeren Charakter als ich, sodass ich mich in diesem Punkte nicht mit ihr identifizieren konnte... ;)

      Liebe Grüße,
      Pie Rath.

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