Rezension: Splitterfasernackt/Lilly Lindner

Reaktionen:  
Nun schreibe ich keine Rezension im üblichen Sinne, sondern benutze Stichwörter, die ich dann weiterführen werde...

Rezension:
SPLITTERFASERNACKT
LINDNER, Lilly

Schreibstil: Lilly Lindner benutzt unglaublich viele Metaphern, die in ihrer Einzigartigkeit berauschend, wundervoll den Leser in die Geschichte ziehen, die gleichzeitig zum Nachdenken anregen, so vieles ausdrücken, so viel Wahrheit verströmen.
 Mitten im Satz setzt Lilly Lindner dann einen Punkt, somit wird Abgehacktheit hervorgerufen. Doch bringt diese für manche Leser vielleicht eigenartige Schreibweise eine andere Sicht der Dinge, andere Gedanken. So bildet sich eine Zweideutigkeit in den Sätzen, die berauscht und poetisch scheint.


Wahrheit oder Lüge oder auch Übertreibung? Manche Stellen scheinen überhaupt nicht der Logik anzugehören, so (zum Beispiel) ist Lilly Lindner jahrelang magersüchtig, und die Männer finden sie immer noch 'wunderschön' und wählen sie aus dem Kreise der anderen Prostituierten aus...                                                                                                                     Kann es wirklich sein, dass die Welt bereits so schrecklich versessen auf die magersten Körper sind oder schreibt Lindner dies bloß, damit sie sich besser fühlt, damit sie sich stärkt, ihr Selbstbewusstsein zu einem gespielten Hoch zwingt? Dies hört sich nach harter Kritik an, doch bekam ich während der Lektüre leise Zweifel, dass dem wirklich so zugange war, dass Lilly von allen als wunderschön betrachtet wird,  wo sie doch nur ein Rippengestell sein kann? Denn, ja, ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch viel außer Haut an ihr dran ist, schließlich hält sie eine strikte, lebensgefährliche Diät ab... Jahrelang, wohlgemerkt. Was ich jedoch als unglaublich mutig empfand, ist, dass sie zugibt, magersüchtig zu sein, magersüchtig und krank, seelisch schwer beschädigt. Dass sie das selbst erkennt, ist tapfer, denn gibt es doch auch viele, die sich vor der Wahrheit verstecken.
Und dann gibt es noch andere Stellen, die mich zweifeln ließen, ob denn wirklich alles sich so zugetragen hat, die jedoch sind weniger kritisch zu betrachten als den Punkt mit der Magersucht.
Wenn es jedoch wirklich vieles gibt, das nicht der Wahrheit entspricht, dann finde ich dies äußerst bedauerlich, schließlich soll dies eine Biographie sein, so wie ich es verstehe...

Anhang: Was ich euch auf jeden Fall ans Herz legen möchte, ist die Danksagung... Sie lohnt sich wirklich. Und genau wie der Schreibstil hat sie Charme, ist ungewohnt und einzigartig, was sie sehr faszinierend macht.

Spannung: Das Buch ist keine Spannungskanone, was jedermann klar sein sollte, beziehungsweise: müsste. Es werden viele Gefühle beschrieben, viel Bangen, viel Trauer, und so viel Zweifel, so viel Angst. Daher gibt es Passagen, welche zäh sind, seitenlang scheinen.                                                                                                                    

Person: Lilly Lindner ist ein schwieriger Charakter, eine schwierige Person, was nicht, angesichts ihrer Vergangenheit, allzu schwierig zu erraten ist. Mit manchen von ihren 'Entscheidungen', den Wegen, die sie wählt(e), bin ich nicht einverstanden, doch jede Person reagiert anders. Ich verstand sie, doch blieb ich trotz allem noch in einiger Entfernung, konnte nicht ganz zu ihr durchdringen, sie nicht in allem verstehen.  

Pein, Härte: Ja, da ich nicht recht weiß, wie ich dieses Lebensbuch umschreiben soll, sage ich dazu nun einfach Buch, nicht Roman, noch Biographie...  

Das Buch ist sehr forsch, sehr brüsk, brutal. Man wird von keinem Schrecken verschont, so erlebt der Leser die Folter des jungen Mädchens hautnah, ohne sehr viel vom Geschehen mitzubekommen.                                                                                                                                         Schonungslos ist es auch, das Buch, schonungslos und rau, denn hier reißt die Haut von den Armen, dem Körper, so hart ist das Geschehen und Erzählen.                                                         Konfrontation wird hier ganz groß geschrieben, so übt Lilly Lindner unter Anderem auch Kritik an ihrer eigenen Familie aus, beschreibt seelische Qualen ohne jede Scheu, ohne jedes Zögern.

Kritik: Das Buch werde ich nicht bewerten, dies ist ziemlich vor den Kopf stoßend, respektlos, angesichts all des Leides, der Schrecken, die eine Person erfahren musste.
Meine 'Kritik' ist an sich sehr bei den üblichen Punkten geblieben, wie der Leser sie von den anderen Rezensionen kennt. So kritisiere ich nicht Lilly Lindner an sich, aber ihr Werk, das sie schrieb... Doch, wie bereits erwähnt, werde ich es nicht bewerten. Das wäre dann doch ein sehr hartes Stück.
  
 Alles in allem ist es eine knifflige Lektüre, doch, sehr durch den Schreibstil, unterhaltend, unglaublich bereichernd für diejenigen, die eine Abwechslung von den gewöhnlichen, durchschnittlichen Schreibstilen brauchen.

Kommentare :

  1. Ich bin durch Zufall auf Deinen Blog gestoßen....und sehe das bei diesem Buch ganz genauso! Eine Bewertung ist wirklich schwierig.... Hier ist auch der Link zu meiner Rezension, vielleicht magst Du ja mal vorbeischauen?!
    http://lesen-und-mehr.blogspot.de/2013/01/splitterfasernackt-von-lilly-lindner.html

    AntwortenLöschen

Ich würde mich über Kommentare jeglicher Art freuen! Denn sind es doch die Kommentare, die den Blog beleben...