Rezension: Ein Akt der Gewalt/Ryan David Jahn

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EIN AKT DER GEWALT
JAHN, Ryan David

Buchzusammenfassung

Auf dem Heimweg wird Katrin Marino angegriffen, vergewaltigt. Aus den Fenstern starren die Bewohner, die selbst versuchen, ihre Probleme zu lösen. Und alle hören sie etwas, sehen etwas, tun nichts, denn sie denken, es werde sich schon ein anderer bei der Polizei melden.

Gleichzeitig erfährt der Leser vieles über das Leben der verschiedenen, untätigen Personen.


Der Umschlag des Buches und Klappentext

Hochhäuser, ein Apartmentkomplex. Fenster. Dieses Cover ist gleichzeitig schaurig, lässt den Leser sich klein fühlen. Das Cover fängt die Stimmung des Buches perfekt ein, lässt Beklommenheit im Leser entstehen.

Und wieder einmal muss ich mich über den Klappentext beschweren, der etwas aussagt, was gar nicht so vorkommt.


Der Schreibstil

Das Buch ist mitreißend zu lesen, jedoch hart, was vor allem dem Schreibstil zu verdanken ist, der nichts beschönigt, auf den Punkt kommt, niederträchtig von der Welt spricht, auch traurig, aber niemals lügt. Ich war in dieser Grausamkeit gefangen, war vollkommen in diese Schaurigkeiten hinabgesunken. Schonungslos wird erzählt, wird voller Wahrheit berichtet, aber auch manches Mal behutsam.

Der Inhalt

Vieles erfährt man über die Personen, die alle etwas miteinander zu tun haben, die sich treffen, deren Leben nicht schön ist, sich überschneiden. So werden aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, findet der Leser sich in einer Geschichte wieder, wechselt im nächsten Kapitel den Blickwinkel.
Von Katrina wird erzählt, von den Nachbarn, die zuschauen, nichts unternehmen, nur zuschauen. Dann folgt man anderen Figuren, die indirekt etwas mit der eigentlichen Geschichte um Katrina zu tun haben. 
 Dies ist einerseits sehr interessant, denn ich konnte so langsam erahnen, weswegen die meisten dieser Personen nichts unternahmen. Schließlich zerbrach auch ihr Leben oder richtete sich in diesem Momente ganz her. Doch als eine Entschuldigung soll dies nicht fungieren, nein, sondern nur als Anregung zum Nachdenken. 
 Trotz allem bleibt Katrinas Geschichte hinter den anderen zurück, wird über sie beinahe geschwiegen, können die Gründe des Nicht-Agierens (für meinen Geschmack) nicht zur Genüge erklärt werden. Vielleicht soll es aber auch so sein, damit der Leser mehr darüber nachdenkt, als wenn er die Lösungen dafür bekäme. Aber wer sagt schon, dass es eine richtige Lösung für eine solche Situation gibt? Ist dies vielleicht die Absicht, die Schlussfolgerung des Autors? Da muss wohl jeder einzeln überlegen, eine Entscheidung für sich fällen.
Es ist ein grausamer Roman, denn voller Brutalität wird erzählt. Das Buch steckt voller Niedertracht, erzählt von der korrupten Welt, in der jeder Mensch versucht, sich selbst zu erhalten, in der jeder Mensch für seine Vorteile agiert. Doch hin und wieder trifft man auf eine Person, die gut zu sein scheint. Nicht alles ist schlecht, aber beinah die ganze Welt, so fühlte ich mich. Mir wurde schnell klar, dass dies keines dieser harmlosen Bücher ist, es war mir bereits klar, als es mir zum ersten Mal auffiel, doch dass es so weit in unserer schrecklichen Welt kommen kann, wurde mir erst bei der Lektüre bewusst.

Ich denke, das Buch könnte dem einen oder anderen als Übertreibung scheinen. Für mich aber ist es dunkel, brutal, grausam, aber lügenlos und mit manchem Hoffnungsschimmer, mit mancher Gutmütigkeit, was es sehr realistisch macht.

Aufjedenfall wird über viel Ungerechtes diskutiert.

Die Charaktere

Es gibt eine Vielzahl an Charakteren, die sich alle unterscheiden, anders sind, eigene Geschichten besitzen. So wird vieles in ihrem Leben durchgekaut, ohne dass es uninteressant werden könnte. Immer sind solche Einfälle, dass der Leser sich nicht langweilt, fasziniert den geschriebenen Worten folgt.

So gibt es Menschen, die einem sympathisch sind, dann gibt es diejenigen, die mich angeekelt haben. Widerwärtig, habe ich mir gesagt, ekelhaft. Ihr Verhalten konnte mir keine Sympathie entlocken, nur eine einzige Reaktion riefen sie bei mir hervor: Du erbärmliche, kleine, gestörte Ratte. 

Und damit will ich es belassen, denn gesagt worden ist alles.

Der schönste Satz

  Es fühlt sich gut an - ein wenig menschliche Wärme in einer kalten Welt.

Seite 269, Zeile 11-12;
Ein Akt der Gewalt;
Ryan David Jahn;
Heyne Verlag.

Hier der Link zur Verlagsseite.



Fazit

Ein verstörender, wahrheitsgetreuer Roman, der über die Abgründe mancher menschlicher Seele berichtet, schockierend offen ist. Ein Bericht über die Kälte, das Grausame dieser Welt, der von realitätsnahen Personen und ihre Geschichten erzählt. 
 Ein Roman, der zum Nachdenken anregt. 

5/5

(nach Gefühl vergebene Punktzahl)

Titel: Ein Akt der Gewalt
Autor(in): Ryan David Jahn
Verlag: Heyne                                                            Preis: circa 9Euro

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