Interview mit der (Fantasy-)Autorin Brigitte Melzer

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Sehr geehrte Leser(innen), ich habe einige Fragen der (Fantasy-)Autorin Brigitte Melzer gestellt.

Informationen zur Autorin findet ihr hier.

Ich wünsche euch viel Spaß!

Welche Orte inspirieren Sie, bringen Sie auf Ihre Romanideen?
Prinzipiell kann das jeder Ort sein, je geheimnisvoller umso besser. Aber die Ideen kommen von überall, nicht nur von Orten, sondern auch von Gerüchen, Farben, Geräuschen ... Was Orte angeht, liegt Schottland aber ganz weit vorne.

Wie lange dauert der Schreibprozess bei Ihnen? (Die Korrektur des Geschriebenen nicht mitgerechnet)
Das ist nicht ganz so leicht zu beantworten, da ich meine Ideen schon lange vorher sammle. Ab dem Moment, in dem ich genügend Ideen für eine Geschichte habe, dauert es – von der Entwicklung des Plots bis zum fertigen Roman – etwa 4 bis 6 Monate.

Demnach sind Sie eine zügige Autorin: Schreiben Sie jeden Tag? Oder machen Sie Pausen von +/- einem Monat, einer Woche?
Das hängt immer auch davon ab, wie viele andere Termine sonst noch anstehen. Wenn ich mitten im Schreibprozess stecke, schreibe ich – wenn möglich – jeden Tag. In der Überarbeitungsphase oder beim Plotten ist es hingegen nicht so schlimm, wenn ich mal unterbrechen muss. Bevor ich mit der Überarbeitung anfange, lasse ich den Text sowieso mindestens ein paar Wochen liegen und beschäftige mich in der Zwischenzeit mit einem anderen Projekt. Durch diese paar Wochen bekomme ich Abstand zum Text, das hilft mir, um bei der Überarbeitung objektiver zu sein.
Welche sind Ihre Lieblingsbücher?
Oh je, da gibt es viele. Die Sevenwaters-Bücher von Juliet Marillier, „Es“ von Stephen King, „A Song of Ice and Fire“ von G.R.R. Martin, „Das Geheimnis der großen Schwerter“ von Tad Williams, „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak, „Die Landkarte der Zeit“ von Felix Palma und … und … und ...
Somit sind wohl auch viele Fantasyromane in ihren Bücherregalen vorhanden. Aber wie sind Sie dazu gekommen, über Fantastisches zu schreiben? Ist es Ihre Vorliebe?
Ich hatte schon immer einen Hang zur Fantasy. Bücher, Filme, Rollenspiele – das volle Programm. Eines Tages hat sich eine Idee für eine Fantasy-Geschichte in meinem Kopf eingenistet und wollte nicht mehr weichen. Stattdessen ist sie fröhlich weiter gewachsen, bis ich endlich angefangen habe, sie aufzuschreiben. Anfangs waren es nur Notizen – ich hatte ja vorher noch nie etwas geschrieben –, aber irgendwann wollte ich einfach wissen, was daraus werden könnte, also habe ich angefangen aus den Ideen und Notizen eine Geschichte zu weben. Herauskamen ein Fantasy-Epos von 3000 Seiten und die Liebe zum Schreiben
Huff, das ist nicht gerade wenig für einen einzigen Roman. Und haben Sie in späterer Zukunft vor, daran gedacht, diesen für Ihre neugierigen Leser zu überarbeiten, zu publizieren? Oder wollen Sie uns die 3000 Seiten des ersten Schreibversuchs nicht antun?
Ich würde es natürlich - nach gründlicher Überarbeitung - sehr gerne publizieren. Obwohl diese Geschichte vorher entstanden ist, knüpft sie (wenn auch ein paar Jahrhunderte später) an „Elyria – Im Visier der Hexenjäger“ an. Die Artefakte, die schon in „Elyria“ von großer Bedeutung waren, spielen hier eine Hauptrolle und auch Jalandar ist in einer Nebenrolle wieder mit von der Partie. Das Problem ist, dass es sich bei diesem Projekt nicht um einzelne Episoden dreht, die man bequem in mehrere (zumindest halbwegs) abgeschlossene Bücher aufteilen könnte, sondern das Ganze eine einzige, große Geschichte ist, die auf Seite 1 beginnt und eben erst auf Seite 3000 zu Ende ist. Da man so viele Seiten auf mehrere Bücher aufteilen muss, würde jedes Buch mehr oder weniger mitten in der Handlung enden und im nächsten Buch einfach nahtlos weitergehen. Die Verleger wünschen sich natürlich, dass ein Buch zumindest mit einem abgeschlossenen Handlungsfaden endet – das ist hier leider nicht möglich. Etwa in der Mitte (also bei 1500 Seiten J) endet einer der beiden Haupthandlungsstränge, dort könnte man also einen Schnitt machen, aber 1500 Seiten sind immer noch zu viel für ein einziges Buch.
Trotzdem arbeite ich nebenbei ständig an diesem Roman, allein schon weil er mein absolutes Herzblutprojekt ist. Wer weiß, vielleicht findet er eines Tages ja doch seinen Weg ans Licht der Öffentlichkeit. Vielleicht ist ja das E-Book das geeignete Medium dafür …
 
In Ihren Büchern ('Der Schwur des MacKenzie-Clans', 'Das Erbe der Macdougals', 'Das Vermächtnis der Macleods', 'Wesen der Nacht Geistwandler' und einige weitere) besuchen wir die Gegend Schottlands. Auf Ihrem Blog sagen Sie aus, dass Ihnen Schottlands Gegend sehr gut gefällt. Warum fasziniert Schottland Sie so sehr? Inwieweit beeinflusst Schottland Ihre Romanideen?
In Schottland gibt es so viele alte und mystische Orte, an denen einen die Ideen förmlich von allen Seiten anspringen. Die Landschaft hat ihre ganz eigene Stimmung – Menschen, Orte, alte Legenden … Wenn man Fantasywelten erschaffen will, gibt es – zumindest für mich – keinen besseren Ort.

Dem stimme ich widerspruchlos zu.
Was finden Sie am Schreibprozess denn am schönsten und am schrecklichsten?     Schrecklich finde ich am Schreiben nichts. Aber der schönste Teil ist für mich der Weg von der ersten Idee zum fertigen Plot. Diese Phase, in der noch alle Wege und Entwicklungen offen sind und einfach alles möglich ist, ist jedes Mal wieder spannend und faszinierend.

Ist jede Szene in Ihren Romanen geplant oder weichen Sie auch manchmal von der Geschichte, die Sie sich so vorgestellt haben, ab, indem Sie eine Handlung einführen, die ganz ungeplant, spontan ist?
Ich bin begeisterter Plotter. Meine Handlung und die Figuren stehen fest, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Trotzdem ist noch lange nicht alles in Stein gemeißelt. Manchmal merke ich während des Schreibens, dass eine Szene, ein Handlungsstrang oder eine Figur nicht so funktionieren, wie es geplant war. Dann ändere ich das. Manchmal kommt mir während des Schreibens auch einfach eine Idee, wie sich etwas noch besser oder runder machen lässt. Auch dann baue ich um.
Ich muss zwar von Anfang an wissen, wo eine Geschichte hinführen soll – das finde ich wichtig, um den Spannungsbogen und die Logik nicht aus den Augen zu verlieren –, aber ich klammere mich nicht starr an einen einmal festgelegten Ablauf. Schon gar nicht, wenn ich merke, dass er so nicht funktioniert, oder es einfach bessere Möglichkeiten gibt.
Wie sind die Schreibbedingungen? Brauchen Sie völlige Ruhe, brauchen Sie einen bestimmten Platz,...? Hören Sie beim Schreiben Musik? Wenn ja, welche? Beeinflusst die Musik das Geschehen in Ihrem Roman oder lassen Sie sich davon nicht von Ihren Vorstellungen ablenken?
Ich arbeite ganz klassisch an meinem Schreibtisch, im Idealfall ohne klingelndes Telefon. Ob Musik oder nicht, ist immer eine Frage der Tagesform. An manchen Tagen brauche ich Stille, an anderen Musik. Die sollte dann zur Stimmung der jeweiligen Szenen passen und am besten ohne Gesang sein, der mich sonst nur zum mitgrölen verleitet (was irgendwie vom Schreiben ablenkt). Manchmal, gerade bei flotten oder witzigen Szenen, brauche ich aber genau das: was richtig krachend Rockiges. Da nehme ich dann auch mein eigenes Gegröle in Kauf.

Das war ein sehr erhellendes und interessantes Gespräch, Frau Melzer!
Ich bedanke mich ganz herzlich dafür, dass Sie in Ihrem vollen Terminkalender einen Platz für dieses Interview finden konnten. Mir hat der Kontakt unglaublich gut gefallen sowie Ihre Meinung zu erfahren.

Pie Rath.

© Lalo Jodlbauer

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