Rezension: Arkadien erwacht - Kai Meyer

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ARKADIEN ERWACHT                  Band 1
MEYER, Kai

(Quelle)

Buchzusammenfassung

Rosa Alcantara zieht von Amerika nach Sizilien, wo ihre Schwester Zoe mit ihrer Tante Florinda im Palazzo Alcantara lebt. Als Rosa dorthin zieht, wird sie immer mehr in die Fehde zwischen den zwei äußerst verfeindeten Mafiaclans Alcantara und Carnevares verstrickt.

Rosa trifft auf Alessandro, den nächsten, rechtmäßigen Anführer der Carnevares, und verbringt Zeit mit ihm, obschon man sie warnt. Und dann tauchen Hinweise auf, dass in den Familien nicht alles mit rechten Dingen zugeht, dass etwas Unmenschliches in ihnen liegt.


Der Umschlag des Buches

Der Umschlag spiegelt den Roman perfekt, fängt die düstere, endzeitmäßige Stimmung ein, strahlt sie aus. Außerdem gibt es viele spielerische Details, die zu entdecken sind. Wunderschön.

Der Schreibstil

Die Sprache des Autors ist wortreich, auf eine wundervolle Art große, poetische Lyrik, ohne blumig zu werden. Die Landschaftsbeschreibungen sind atemberaubend, mit sehr viel Sorgfalt dargelegt, erklärt. Viel Wortschatz ist vorhanden, ohne dass es zu schwierig werden könnte.

Der Inhalt

 Der Roman ist ein wahrer Pageturner, den man nicht aus der Hand legen kann. Die dunkle Stimmung reißt einen mit, die Ereignisse stürzen auf einen zu, nehmen einen an der Hand, dass man atemlos mitzuhalten versucht. Unglaublich nervenaufreibend.

Es gibt wunderschöne, bildliche Landschaftsbeschreibungen, die in ihrer wortreichen Vielfalt begeistern, neugierig auf dieses Land machen, das gleichzeitig trist, öde erscheint, aber auch wild, frei, schön.

Ebenso haben mich die Ideen begeistert. Man wird mitten in einen Mafiaclan (was dann doch recht außergewöhnlich ist), in eine Fantasygeschichte gestoßen, hineingesogen. Diese ungewohnte Konstellation macht aus dem Buch etwas Einzigartiges, Erstaunliches.

Die Fantasyelemente sind bisher noch sehr wenig vorhanden, aber das tut dem Buch keinen Abbruch, sondern bereichert es nur mehr. Das ganze Konzept ist schlüssig aufgebaut, weist keine Logikfehler auf.


Mit Gräueltaten wird nicht gespart, sodass man bangt, sodass man betroffen, entsetzt ist. Keineswegs ist dies ein fröhliches Buch, nein, sondern sehr drückend, sehr finster, was vor allem auch an der Hautprotagonistin liegt.
Auch ist verhaltene Romantik vorhanden, die nicht das Limit überschreitet, sogar ein wenig hintergründig bleibt, aber eben genau und perfekt auf das Ganze abgestimmt.

Das Ende empfand ich als sehr traurig, aber passend, vollkommen.

Charaktere

Rosa ist ein komplizierter Mensch, mit einer grauen Vergangenheit, aber unglaublich willensstark und unerschütterlich. 
Ich liebe sie, denn sie ist nicht wie andere Hauptprotagonisten. Verletzlich, aber gleichzeitig resistent wie Eisen. Sie war mir von Anfang an sympathisch und zu keiner Zeit verlor sie meine Zuneigung. Unkonventionell, einzigartig haucht sie dem Buch eine ganz eigene Magie ein, dass es umso toller macht. Ihr schwarzer Humor hat mich immer zum Lachen gebracht, ihre Frechheit übersteigt manches Maß, aber bleibt verständlich, macht diesen Charakter umso liebenswerter. Nötige Distanz ist zu ihr gehalten, sodass der Leser an ihrem Schicksal teilhaben kann, sie auch wirklich versteht, ohne ihre Geschichte zu erleben, aber eben von dieser nicht erschlagen wird, plötzlich Verschiedenheiten zwischen sich und ihr erkennen könnte. Dies bewirkt, dass ihre Geschichte noch ergreifender wird.

Alessandro war mir ebenso sehr sympathisch, obwohl auch er manch harte Seite aufzeigt (seiner Abstammung wegen). Keineswegs ähnelt er anderen männlichen Protagonisten, ist einfach er, fügt sich in sein Umfeld, fügt sich in seine Bestimmung.
 Was ich ein wenig bedauere, ist, dass Rosa und Alessandro nicht allzu viel Zeit miteinander verbringen, ein bisschen zu wenig (wenn ich mir diesen Ausdruck erlauben darf).

Ein kurzes Beispiel von Kai Meyers sprachgewaltigen, bildlichen Beschreibungen

Die Wolke glitt an der Sonne vorüber und erneut flutete Glut über das ausgedörrte Land und die verlassene Autobahn.
In der Ferne zerfloss die Asphaltkante am Rand der Schlucht in einem silbrigen Flirren.

Seite 223, Zeile 12-15;
Arkadien erwacht, Kai Meyer;
Carlsen Verlag.

Hier der Link zur Buchvorstellung.


Fazit

Ein wunderschönes Buch ohne Mängel, mit einer Protagonistin, die mich bedingungslos für sich eingenommen hat.

5/5 

(nach Verstand und Gefühl vergebene Punktzahl)

Titel: Arkadien erwacht
Autor(in): Kai Meyer
Verlag: Carlsen                     Preis: circa 10Euro (Taschenbuch); circa 20Euro (Hardcover)

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