Kurzgeschichte: Herr über das Leben

Reaktionen:  
Ein kühler Wind streicht um seinen Hals, als wolle er ihm alle Lebenskraft entziehen. In der Stille vor dem Pistolenknall denkt er an den Moment der Angst, an den Moment, wo er unausweichlich in den Krieg zog. Man hatte Befehle gebrüllt, zwischen dem dichten Rauch sah man stürzende Körper, Waffenglitzern und die Kühle einer aufgehenden Sonne im tiefsten Winter.
Er hatte nichts Böses gewollt, er war einfach nur stehengeblieben.
Ein Gewehr richtet sich auf ihn, zielt, doch der blutige Finger am Abzug zittert.
„Zielt.“ Die scharfe Stimme eines Kommandanten, der kein Gewehr trägt, nur Abzeichen.
Ruhe. Die Ruhe vor dem Pistolengebrüll.
„Drei, zwei, ...“ Der Kommandant senkt den Arm. „Eins.“
Drei Kugeln zerfetzen ihm die Brust, drei Kugeln, die ihn foltern.
Sie sind Mörder und er ein Deserteur.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Ich würde mich über Kommentare jeglicher Art freuen! Denn sind es doch die Kommentare, die den Blog beleben...